Zeitungsartikel zu unserem Infoabend aus der NW

Jugendliche erkämpfen Rechte für Flüchtlinge / Heinz Drucks referiert über Situation / Runder Tisch zum Höxteraner Asylbewerberheim angestrebt

Neue Westfälische 16 – Höxter (Kreis) , 14.07.2012 :

Höxter (be). Der französische Widerstandskämpfer und Erfolgsautor Stéphane Hessel forderte letztes Jahr in seinem Pamphlet „Engagiert euch!“, die Jugend Europas auf, sich für die Erhaltung des Planeten und die Einhaltung der Menschenrechte stark zu machen. Politisch aktive Jugendliche der linken Szene finden sich in der Antifaschistischen Organisation, die es auch in Höxter gibt. Einem Dutzend der Mitglieder ist der europäische Umgang mit Flüchtlingen besonders zuwider. Im losen Bündnis „discrimi.nation“ legen sie den Schwerpunkt auf die Asylpolitik. „Wir besuchen die Asylbewerber in Höxter, lernen mit ihnen Deutsch und helfen ihnen im Alltag“, berichtet Janine Kuhfuß. Die 20-jährige Auszubildende zur Erzieherin erklärt den Namen „discrimi.nation“: „Nationen trennen und schaffen Grenzen, die für Flüchtlinge unüberwindbar sind.“

Unterstützt wird die Gruppierung von Ibrahim Aslan, Flüchtlingsberater der Caritas. „Mein Ziel ist eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Gruppe“, bekennt Aslan, „sie will Flüchtlingen helfen, mein Beruf ist es, etwas für Flüchtlinge zu tun“.

„Es interessiert, auf welchem Weg die Flüchtlinge kommen, nicht warum.“

Diese Woche trat „discrimi.nation“ erstmalig an die Öffentlichkeit. Rund 20 Interessierte verfolgten den Vortrag des Flüchtlingslobbyisten Heinz Drucks. Er arbeitet ebenfalls für die Caritas, allerdings im Kreis Soest. Ehrenamtlich sensibilisiert er im Auftrag des Flüchtlingsrates NRW. Da in der EU mittlerweile jenes Land für den Asylantrag zuständig ist, welches der Flüchtling zuerst betreten hat, werden die Flüchtlinge innerhalb Europas nur verschoben, anstatt ihnen zu helfen. Deutschland ist durch seine zentrale Lage immer von sicheren Drittstaaten umgeben, die Flüchtlinge zuerst betreten. „Es interessiert, auf welchem Weg die Flüchtlinge kommen, nicht warum sie kommen“, erklärt Drucks. In seinem Vortrag ironisiert er die traurigen Kuriositäten Europas und der Asylpolitik. Zunächst ist es für sie generell schwer, in die Festung Europa zu kommen. Sind sie drinnen, werden sie innerhalb der Mitgliedsstaaten verschoben. Häufig beginnen Widerrufsverfahren während die soziale Diskriminierung ihren Lauf nimmt. Am Ende dieses Elendskreises stünde oft ein Rückführungsabkommen, ein Instrument, mit dem die EU Druck auf Anwärterstaaten macht, die Flüchtlinge bei sich zu behalten. Fallberichte liefert Drucks aus Serbien, dem Kosovo, Mazedoniern und der Türkei. „Die EU macht Druck auf EU-Anwärter, die Flüchtlinge an ihren Außengrenzen aufzuhalten“, sagt der Referent, der auch die Grenzschutzagentur Frontex kritisiert: „Es ist keine Behörde, sondern eine teilprivate Agentur“, weiß Drucks, „somit ist die parlamentarische Kontrolle ausgehebelt“, fügt er hinzu. Ferner warten Flüchtlinge in Ungarn und Griechenland ihre Asylanträge in Haftanstalten ab, nicht in gesonderten Heimen wie beispielsweise in Höxter.

Doch auch unter diesen deutschen Dächern ist die Lage prekär: unzureichende Isolierung, veraltete Sanitäranlagen, Konflikte unter der den Bewohnern. Deprimierend sei zudem die – wie auch bei Hartz IV – willkürliche Bemessung der Sozialleistungen, nur das jene Leistungen für Asylbewerber bis zu 40 Prozent unter denen der Sozialhilfe-II-Empfänger liegen. Im September demonstriert „discrimi.nation“ am größten Abschiebegefängnis Europas in Büren. Bereits Ende Juli haben die Jugendlichen einen Termin mit dem ersten Beigeordneten der Stadt Höxter, Klaus Schuhmacher. Es ist ihr Ziel, einen Runden Tisch mit ihm, dem Arbeitskreis Integration, Flüchtlingsberater Aslan, dem Sozialamt und dem Hausmeister des Heimes einzurichten. „Wir wollen die Probleme konstruktiv besprechen“, sind sich Aslan und Janine Kuhfuß einig.





aboutblurp}{$k2-¨