Jugendliche wollen helfen / Neue Gruppe macht sich für Asylbewerber stark – „Arbeitskreis Integration“ beteiligt


Von Frederic Weber

Höxter (WB). „Dass sich Jugendliche für Flüchtlinge einsetzen, das ist gut und nicht alltäglich“, sagt Heinz Drucks vom Flüchtlingsrat NRW. Er hat auf Einladung von Höxteranern einen Vortrag in der Kreisstadt gehalten.

„Unsere Gruppe besteht aus fünf bis zehn Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen, die sich seit einiger Zeit mit der Situation von Flüchtlingen in Deutschland und Europa, aber auch mit der persönlichen Situation der Asylbewerber in Höxter auseinandersetzt“, erklärt Janine Kuhfuss von der Gruppe „Discrimi.Nation“ beim Vortragsabend im Restaurant Lion. Einmal wöchentlich trifft sich die Gruppe mit den Betroffenen in der Flüchtlingsunterkunft in der Lütmarser Straße. „Wir knüpfen mit den Asylbewerbern Kontakte, reden über mögliche Probleme, erklären Behördenbriefe und bringen unsere Sprache näher“, beschreibt Kuhfuss die Aktivitäten.

Unterstützt werden die jungen Erwachsenen vom Höxteraner Arbeitskreis für Integration des Bündnisses für Familie und Generationen. „Jedes Engagement für die Flüchtlinge ist uns willkommen. Die Arbeit der Jugendlichen ist wirklich hervorragend, in der Zusammenarbeit kann korrekte Hilfe geleistet werden“, freut sich Ibrahim Aslan (Sprecher Arbeitskreis für Integration).

Um die verschiedenen Kräfte und Gruppen zu bündeln, soll demnächst ein Runder Tisch initiiert werden, der sich mit der Lange von Flüchtlingen in der Stadt befasst. Auch die Gruppe um Janine Kuhfuss will Vertreter stellen. „Laut Artikel 14 der Menschenrechte hat jeder das Recht, sein Land zu verlassen“, begann Heinz Drucks seinen Vortrag über die Situation von Flüchtlingen in Deutschland und der EU.

Viele Ausländerbehörden hätten in der Vergangenheit die Flüchtlinge mit Asylanträgen unter Druck gesetzt. Die Politik strich dann das Asylrecht aus dem Grundgesetz.

Runder Tisch soll Kräfte bündeln und informieren.

Durch die „Festung Europa“, dem Dublin-II-Verfahren, dem Widerrufsverfahren, sozialer Ausgrenzung und Rückführungsabkommen sei eine starke Flüchtlingsabwehr in Europa entstanden, findet Heinz Drucks. „Der Auslöser, sein Heimatland zu verlassen, ist gravierender als Geld haben zu wollen“, sagt der Ehrenamtliche vom Flüchtlingsrat NRW. In den ankommenden Ländern sei es schwierig, lange zu bleiben. Die Situation der Flüchtlinge sei fast aussichtslos, erklärte Drucks.

„Die Grenzschutzbehörde Frontex ist eine Agentur und keine Behörde. Die Entscheidungen können sie selbst treffen, da aus unserer Sicht die parlamentarische Kontrolle ausgesetzt ist“, beschreibt der Flüchtlingsberater der Diakonie in Soest. Das europäische Asylsystem sei einheitlich, aber für die Prüfung des Verfahrens immer das Land zuständig, in dem der Flüchtling zuerst europäischen Boden betreten hat.
Die Asylbewerber würden oft eine soziale Ausgrenzung erfahren, hätten laut Drucks kein Recht auf Erziehungs- oder Kindergeld und ein Arbeitsverbot beziehungsweise einen nachrangigen Arbeitsmarktzugang. „Abgelehnte Asylbewerber erhalten nur noch eine Duldung bis maximal drei Monate. Der Umgang verändert sich rapide, jeder Tag könnte der letzte sein, so dass die Flüchtlinge auf gepackten Koffern sitzen“, stellt Heinz Drucks heraus. Grundsätzlich bestehe Ausreisepflicht. In Deutschland leben aktuell etwa 90.000 Menschen mit einer Duldung, davon 53.000 mehr als sechs Jahre, manche seit 20 Jahren. Wer nicht freiwillig ausreise, könne zwangsweise abgeschoben werden. „Die Abschiebung erfolgt meist unangekündigt, nachts und geht in 15 Minuten über die Bühne. Die Flüchtlinge haben nur Zeit, um das Nötigste zu packen“, erklärt der Flüchtlingsberater.

Einige Höxteraner wollen im September gemeinsam mit anderen Gruppen aus Paderborn und Bielefeld eine Demonstration vor der Anstalt in Büren veranstalten.





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